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Die vier Evangelien in prophetischer Schau

Heinrich Langenberg geht es in dem Werk „Die vier Evangelien in prophetischer Schau“ besonders darum, deutlich zu machen, dass die Evangelien mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten keine Gegensätze, sondern eine umfassende Einheit darstellen im Hinblick auf das Heilsgeschehen. Was die prophetische Schau anbelangt, schreibt er: „Durch die prophetische Schau gewinnen die Evangelien ein ganz bestimmtes neues Licht, das in der Erkenntnis des Messias Christus seinen Ursprung hat. Wie die alten Propheten den verheißenen Messias Christus im Geiste geschaut haben, wird in Jesu irdischem Christuswirken sichtbar.“

Dieses Christuswirken wird in vielen Gleichnissen veranschaulicht. Wichtig ist Heinrich Langenberg die Aussage: „In den Gleichnissen handelt es sich nicht in erster Linie um die Frage, was der Mensch tun muss, um des Heils teilhaftig zu werden (vgl. Mt. 19,16), sondern um die Offenbarung der Herrlichkeit Gottes in Gnade und Wahrheit (vgl. Joh. 1,17).“

Hardcover, 607 Seiten, 26,80 €
ISBN 978-3-00-069790-6
Bestellnummer: 1050

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Ausschnitte zum Probelesen

1 Teil I: Der werdende Messias 11
1.1 Einleitung 11
1.2 Die Erfüllung des Zeitlaufs und die Sendung Jesu Christi 11
1.3 Das prophetische Hoffnungsgut zur Zeit Jesu 21
1.4 Der Messias in prophetischer Schau 34
1.5 Die Evangelien und der Messias 38
1.6 Das Geheimnis der Messiasgeburt 49
1.7 Die früheste Kindheit Jesu 61
1.8 Der Zwölfjährige und der heranwachsende Mann 72
1.9 Der Vorläufer Johannes, der Täufer 79
1.10 Die Taufe Jesu (Mt. 3,13-17; Mk. 1,9-11; Lk. 3,21-22; Joh. 1,31-34) 90
1.11 Die Versuchung Jesu 94
2 Teil II: Der Messiaskönig in seinem irdischen Christuswirken 101
2.1 Einleitung 101
2.2 Beginn des öffentlichen irdischen Wirkens Jesu als Messiaskönig 102
2.3 Der neue Messiasweg und das Messiaszeichen 120
2.4 Die große Wende 127
2.5 Der zweite Teil des Messiaswirkens Jesu unter dem Volk 137
2.5.1 Die Scheidung der Geister und der Knecht Jehovas 138
2.5.2 Die Lästerung des Geistes (Mt. 12,31-32; Mk. 3,28-29; Lk. 12,10) 145
2.5.3 Das Zeichen des Propheten Jona (Mt. 12,38-42; Lk. 11,29-32) 146
2.6 Entscheidungszeit erster Ordnung 150
2.6.1 Die große Scheidung innerhalb des weiteren Jüngerkreises (Joh. 6) 154
2.7 Der Messias als der Sohn des Menschen 162
2.8 Der Messias als der Sohn Gottes 168
2.9 Der dritte Teil des Messiaswirkens Jesu unter dem Volke 178
2.10 Die letzte Woche 195
2.10.1 Königseinzug in Jerusalem (Mt. 21,1-11; Mk. 11,1-10; Lk. 19,29-38; Joh. 12,12-19) 199
2.10.2 Einzug des Priesterkönigs in den Tempel (Mt. 21,12-17; Mk. 11,11-17; Lk. 19,45-48) 201
2.10.3 Die Vollmachtsfrage (Mt. 21,23-27; Mk. 11,27-33; Lk. 20,1-8) 204
2.11 Der Messiaskönig als das Lamm Gottes 216
3 Teil III: Die messianischen Königreichsgleichnisse 223
3.1 Einleitung 223
3.2 Wesen und Zweck der Gleichnisreden Jesu 224
3.3 Die Verwaltung des Geheimnisses des Königreiches der Himmel 234
3.4 Das Gleichnis vom Sämann (Mt. 13,1-23; Mk. 4,1-20; Lk. 8,4-15) 238
3.5 Das geheime, automatische Wachstum des Samens (Mk. 4,26-29) 245
3.6 Das Gleichnis vom Unkraut des Ackers (Mt. 13,24-30.36-43) 249
3.7 Das Gleichnis vom Senfkorn (Mt. 13,31-32 etc.) 258
3.8 Das Gleichnis vom Sauerteig (Mt. 13,33; Lk. 13,20-21) 262
3.9 Das Gleichnis vom Schatz in dem Acker (Mt. 13,44) 268
3.10 Das Gleichnis von der einen kostbaren Perle (Mt. 13,45-46) 272
3.11 Das Gleichnis vom Schleppnetz (Mt. 13,47-50) 277
3.12 Das Gleichnis von der königlichen Abrechnung (Mt. 18,23-35) 282
3.13 Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt. 20,1-15) 286
3.14 Das Gleichnis von den bösen Weingärtnern (Mt. 21,33-44 etc.) 289
3.15 Das Gleichnis von der königlichen Hochzeit (Mt. 22,1-14 etc.) 295
3.16 Das Gleichnis vom Feigenbaum (Mt. 24,32-35 etc.) 300
3.17 Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen (Mt. 25,1-13) 303
3.18 Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten (Mt. 25,14-30 etc.) 309
3.19 Das Sondergut des Lukas 316
3.20 Das Gleichnis von dem reichen Kornbauern (Lk. 12,16-21) 318
3.21 Gleichn. vom Warten auf wiederkommenden Herrn (Lk. 12,35-48) 321
3.22 Das Gleichnis vom Feigenbaum im Weinberge (Lk. 13,6-9) 327
3.23 Das Gleichnis vom großen Gastmahl (Lk. 14,16-24) 329
3.24 Das Gleichnis vom Verlorensein und Gefundenwerden (Lk. 15) 333
3.25 Das Gleichnis von dem Richter der Ungerechtigkeit (Lk. 18,1-8) 341
3.26 Das Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner (Lk. 18,9-14) 346
3.27 Das Gleichnis von den anvertrauten Minas (Lk. 19,11-27) 350
4 Teil IV: In der Jüngerschule Jesu 353
4.1 Einleitung 353
4.2 Sammlung des engeren Jüngerkreises 355
4.3 Die Magna Charta oder das Totalitätsgesetz Jesu (Mt. 5,1-12 etc.) 367
4.3.1 Äußerer Aufbau der acht Seligpreisungen in Mt. 5,3-12 375
4.3.2 Das Totalitätsgesetz für den leidenden Kampf (Mt. 5,4-6) 376
4.3.3 Das Totalitätsgesetz für den Offensivkampf (Mt. 5,7-9) 381
4.3.4 Das Totalitätsgesetz in der Bewährung (Mt. 5,10-12) 385
4.4 Erwählung und Aussendung der 12 Apostel (Mt. 10 etc.) 389
4.5 Der Jünger Verantwortung und das Glaubenswagnis 406
4.6 Die neue Gottesfamilie und die große Scheidung 412
4.7 Die Nachtfahrt über das Meer (Mt. 14,22-33 etc.) 419
4.8 Scheidung innerhalb des weiteren Jüngerkreises (Joh. 6,22-71) 425
4.9 Menschensatzungen werden verworfen 432
4.10 Zweites Volksspeisungswunder (Mt. 15,32-38; Mk. 8,1-9) 442
4.11 Warnung vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer 446
4.12 Das Fundament der werdenden Gemeinde (Mt. 16,13-20 etc.) 450
4.13 Meine Gemeinde (Mt. 16,18) 457
4.14 Schluss 467
5 Teil V: Die werdende Gemeinde auf dem Kreuzeswege mit Jesus 468
5.1 Einleitung 468
5.2 Die werdende Kreuzgemeinde (Mt. 16,21-27 etc.) 472
5.2.1 Wie kommt es bei Jüngern Jesu zur rechten Nachfolge? 477
5.3 Auf dem Verklärungsberge (Mt. 17,1-8; Mk. 9,2-8; Lk. 9,28-36) 485
5.4 Vom Berge herab (Mt. 17,9-21; Mk. 9,9-29; Lk. 9,37-43) 489
5.4.1 Heilung des dämonischen Knaben (Mt. 17,14-21; Mk. 9,14-29; Lk. 9,37-43) 492
5.5 Immer noch tiefer hinab und enger zusammen 499
5.5.1 Die zweite Leidensverkündigung (Mt. 17,22-23; Mk. 9,30-32; Lk. 9,44-45) 500
5.5.2 Die Tempelsteuer (Mt. 17,24-27) 503
5.5.3 Wer ist also größer im Königreich der Himmel? (Mt. 18,1-5 etc.) 505
5.6 Ärgernis (Mt. 18,6-11; Mk. 9,42-50) 510
5.7 Die richtige Einstellung zum irrenden Bruder (Mt. 18,15-17) 516
5.7.1 Bedingungslose Vergebungsbereitschaft (Mt. 18,21-22) 521
5.8 Die Vollmacht der betenden Gemeinde (Mt. 18,18-20) 522
5.9 Die große Lektion des Loslassens (Mt. 19; Mk. 10) 525
5.10 Die Ehenot (Mt. 19,1-12; Mk. 10,1-12) 527
5.11 Die Kindernot (Mt. 19,13-15; Mk. 10,13-16; Lk. 18,15-17) 532
5.12 Die Güternot (Mt. 19,16-26; Mk. 10,17-27; Lk. 18,18-27) 535
5.13 Der Schatz in den Himmeln (Mt. 19,27-29 etc.) 539
5.13.1 Aber viele werden als Erste Letzte sein und Letzte Erste 543
5.14 Das große Ziel – und wer kann mitgehen (Lk. 9,51-62)? 544
5.15 Die Aussendung von 70 Jüngern (Lk. 10,1-24) 549
5.16 Vom Nächsten in der zufälligen Begegnung auf dem Wege 558
5.17 In der Herberge des gläubigen Hauses am Wege (Lk. 10,38-42) 562
Bibelstellenverzeichnis 567
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1.10 Die Taufe Jesu (Mt. 3,13-17; Mk. 1,9-11; Lk. 3,21-22; Joh. 1,31-34)

Nach dem Bericht des Lukas (Lk. 3,21–22) bekommen wir den starken Eindruck, dass Jesus sich auch bei der Taufe mit dem Volke ganz solidarisch gemacht hat. Es heißt da: „Es geschah aber, als das Volk insgesamt getauft ward und Jesus getauft wurde“. Der Grund, warum auch Jesus, der Sündlose, der der Buße (Umsinnung) nicht bedurfte, zur Bußtaufe des Johannes kam, wird von ihm selber angegeben: „Es geziemt uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ (Mt. 3,15). Jesus vollbrachte in solidarischer Einheit mit dem Volke das, wozu dieses nicht imstande war. Er war der einzige durchaus Gerechte, und als solcher erfüllte er die Gerechtigkeit des Gesetzes. Er, der unter Gesetz Gewordene (vgl. Gal. 4,4), unterwirft sich nun auch der von Gott gebotenen Taufe als dem Schlussgebot aller Gebote des Alten Bundes, womit derselbe in das ganz Neue des Evangeliumszeitalters übergeht. Es handelte sich nicht darum, außer all den anderen Geboten auch nun noch dieses gehorsam zu befolgen, sondern mit diesem letzten, das ganze Gesetz abschließenden Gebot alle Gerechtigkeit zur Fülle, zur Vollendung zu bringen (plärun).

Der Begriff „Gerechtigkeit“ kann hier nur sinngemäß von der Forderung der Gerechtigkeit Gottes verstanden werden. Das ganze Heils- und Erlösungswerk Gottes ruht auf dem Grunde der undurchbrechbaren Gerechtigkeit Gottes. Die Taufe war für Jesus die Weihe für seine Aufgabe, durch sein Leben, Leiden und Sterben die von Anbeginn der Menschheitsgeschichte an schwebende Frage nach der Gerechtigkeit Gottes endgültig zu lösen. Johannes der Täufer kam zu dem Volke „im Wege der Gerechtigkeit“ (Mt. 21,32), und Jesus bezeugte durch seine Taufe öffentlich, dass er diesen Weg beschritten habe, der ganz anders war als die Gesetzlichkeit der Pharisäer. Dieser Weg der Gerechtigkeit fängt damit an, dass der Sünder Gott recht gibt, d. h. Gottes Gerechtigkeit in Gericht und Heil anerkennt und somit Gott rechtfertigt (vgl. Lk. 7,29). Dies ist nichts anderes als Gottes Heilsweg anerkennen, der durch die Todeslinie in ein ganz neues Leben hineinführt.

Der Jordan symbolisiert die Todeslinie, die Jesus, nachdem er sie einmal betreten hat, zu Ende geht bis zum Tode des Kreuzes, bis zur Bluttaufe (vgl. Mt. 20,22; Lk. 12,50). Da gilt das Wort: „Es ist vollbracht“, d. h. es ist zum Ziel gekommen (Joh. 19,30) das Zeichen, dass die Frage der Gerechtigkeit Gottes vollständig gelöst ist. Gnade und Gerechtigkeit gehen ineinander vollständig auf. Dies ist das Fundament des Evangeliums, und die „Bußtaufe“ des Johannes ist keine Gesetzestaufe, auch nicht in eine Reihe zu stellen mit der sogenannten Proselytentaufe und den jüdischen zeremoniellen Waschungen, sondern eine im wahrsten Sinne in das Evangelium hineinführende Taufe.

Jesus kommt direkt von Galiläa an den Jordan zur Taufe. Daraus ist zu schließen, dass er bis dahin in der Verborgenheit in Nazareth geblieben ist, bis zu seinem 30. Lebensjahre (vgl. Lk. 3,23). Dieser feine Zug zeigt uns seinen absoluten Sohnesgehorsam, indem er nichts tat ohne klare Weisung von seinem himmlischen Vater. Er hat sich nicht zu seinem Messiasamt gedrängt, obwohl das tiefe Mitgefühl für die Not und das Sündenelend des Volkes seine Seele bewegte. Er wartete auf den Ruf von oben. Dieser war jetzt gekommen durch das Auftreten seines Wegbereiters. Auch da kam er nicht sofort als erster, sondern „als das Volk insgesamt getauft ward“, also mitten unter den Volkshaufen, dadurch zum Ausdruck bringend, wie sehr er sich mit dem Volke eins fühlte.

Johannes wehrte sich, Jesus zu taufen. Warum? Als Nahverwandter musste er ihn gut gekannt haben als einen solchen, der ein weit reineres, heiligeres Leben führte als er selbst. Wer konnte Jesus von Sünde überführen (vgl. Joh. 8,46)? Das konnte auch Johannes nicht. Er beugte sich vor der einfachen, sündlosen Männlichkeit, noch ehe er die göttliche Sendung Jesu erkannte. „Johannes aber verhinderte es energisch und sagte: Ich bedarf wohl, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?“ (Mt. 3,14). Warum erfüllte Jesus nicht diesen begreiflichen Wunsch, den Johannes zu taufen? Er hat doch in der Folgezeit auch viele getauft (vgl. Joh. 4,1–2). Die Antwort liegt in dem „uns“; es gebührt uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Dieses „uns“ gilt auch dem Johannes. Er musste durch die Taufe Jesu seinen Auftrag erfüllen, indem Jesus durch dieselbe öffentlich vor dem Volke als Messias proklamiert wurde durch die Stimme des Vaters aus dem Himmel. Das „uns“ gilt nur für Jesus und Johannes. „Da ließ er es ihm zu“ (wörtlich: da ließ er ihn los).

Dieses Loslassen (aphienai), welches auch im Jüngerleben eine so entscheidende Rolle spielt (vgl. Mt. 4,20.22; 19,27.29), ist das Geheimnis des absoluten Gehorsams. Johannes ordnete sich damit sofort dem Sohne unter. „Es geziemt uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen“ und „lass jetzt los“ (Mt. 3,15) ist das erste uns überlieferte Wort Jesu aus seiner öffentlichen Wirksamkeit. „Getauft aber stieg Jesus sogleich aus dem Wasser“. Es wird hier die energische Entschlossenheit Jesu beim Heraufsteigen aus dem Wasser betont. Dadurch soll wohl der Sieg über die Todesgewalten angezeigt werden, da ja der Jordan die Todeslinie symbolisiert. Der Tod konnte ihn nicht halten (vgl. Apg. 2,24).

„Und siehe, die Himmel wurden (ihm) aufgetan“ (Mt. 3,16). Hier sind „die“ Himmel gemeint als die Welt der Wirklichkeit Gottes hinter der erscheinenden Gegenstandswelt (vgl. Joh. 1,51). Jetzt war ein Augenblick gekommen, in welchem die Verbindung zwischen Gott und Menschheit im Sohne Gottes offenbar wurde. Das „ihm“ ist nicht in allen Handschriften, aber doch gut verbürgt. Es fragt sich, wer damit gemeint ist, Jesus oder Johannes. Wenn wir Joh. 1,32 hinzuziehen: „Ich schaute den Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabfahren“, so liegt es nahe, dass Johannes gemeint war. Er durfte ein Erlebnis unter dem geöffneten Himmel haben, um, wie es ihm vorher verheißen war, den Messias zu erkennen. „Und ich kannte ihn nicht. Jedoch, der mich sendet zu taufen in Wasser, derselbige sagte zu mir: Auf welchen du sehen wirst den Geist herabfahren und auf ihm bleiben, dieser ist es, der da in Heiligem Geiste tauft. Und ich habe gesehen und bezeugt, dass dieser ist der Sohn Gottes“ (Joh. 1,33–34). „Und er sah Geist Gottes herabsteigen als wie eine Taube und kommen auf ihn“. Dies alles geschah für Johannes.

Bemerkenswert ist, was Jesus während dieser Zeit tat oder wie er sich verhielt. Lukas berichtet ganz kurz „Es geschah aber, als Jesus getauft war und betete, dass sich der Himmel auftat, und herabstieg der Heilige Geist in leiblicher Gestalt als wie eine Taube“ (Lk. 3,21). Jesus betete bei oder nach der Taufe. Das Wort, welches hier für beten gebraucht wird (proseuchesthai) heißt soviel wie anbeten. Welch ein Gebet muss das gewesen sein, da Jesus in diesem Augenblick den ganzen schweren Weg bis zum Kreuze vor sich sah. Er betete an und pries seinen himmlischen Vater. Das war ein Höhepunkt in der Erfüllung aller Gerechtigkeit. Darauf erfolgte sofort die Stimme des Vaters aus dem geöffneten Himmel und das Herabsteigen des Heiligen Geistes als wie eine Taube. Hier haben wir gleich am Anfang des öffentlichen Auftretens Jesu als Messias eine Manifestation der Heiligen Dreieinigkeit in einer für menschliche Sinne fassbaren Gestalt. Die leibliche Gestalt des Heiligen Geistes wird besonders betont. Die Anschauung, dass der Heilige Geist nur eine Kraft sei und keine Person, wird schon hierdurch als falsch gekennzeichnet.

Dass jetzt der Geist Gottes (Mt. 3,16; oder: der Geist, Mk. 1,10; Joh. 1,32; oder: der Heilige Geist, Lk. 3,22) auf Jesus herabkam, hatte eine besondere Bedeutung. Durch den Geist Gottes war Jesus gezeugt worden, als Kind wuchs und erstarkte er in Geist. So war der Geist Gottes in ihm die treibende Kraft und sein Lebenselement. Jetzt kam der Heilige Geist Gottes „auf ihn“ (ep auton, Mt. 3,16; Lk. 3,22). Mk. 1,10 in einigen Lesarten: „in ihn hinein“, in anderen auch: „auf ihn“. In Joh. 1,33 heißt es: „auf ihn bleibend“. Hier handelt es sich also um die Ausrüstung zum Dienst, um das leitende und regierende Element dabei. Das ganze irdische Christuswirken des Sohnes Gottes stand unter der Signatur der Dreieinigkeit. Das äußere Aussehen oder die körperliche Gestalt des Heiligen Geistes war „als wie“ eine Taube, um den reinen, stillen, friedlichen Charakter zu kennzeichnen.

„Und siehe, eine Stimme aus dem Himmel, sagend: Dies ist mein Sohn, der Geliebte, in welchem ich Wohlgefallen habe“ (Mt. 3,17; vgl. Mk. 1,11; Lk. 3,22). Dies ist die Erfüllung von Jes. 42,1: „Siehe, mein Knecht, den ich erwähle! Mein Geliebter, an dem meine Seele Wohlgefallen hat. lch werde meinen Geist auf ihn (alav = ep auton) legen“ (vgl. Mt. 12,18). Diese Stimme geschah nicht nur für Jesus oder Johannes, sondern für alle Gläubigen. Deshalb wird in Mt. 17,5 hinzugefügt: „Höret ihn!“.